Immobilienportale in Europa im Vergleich
Jedes europäische Land wird von zwei oder drei Portalen beherrscht. Wer nur eines davon beobachtet, sieht einen Ausschnitt des Marktes — und merkt es nicht, weil der Ausschnitt voll aussieht. Dieser Leitfaden zeigt, welche Portale in welchem Land zählen, worin sie sich tatsächlich unterscheiden und wie man mehrere gleichzeitig verfolgt, ohne im Posteingang unterzugehen.
Portale nach Land
Deutschland
| Portal | Typ | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|
| ImmobilienScout24 | Marktführer | Größtes Volumen, beste Filter | Viele Inserate doppelt, Premium-Bias oben |
| Immowelt | Nr. 2 | Gute Abdeckung, oft günstigere Makler | Weniger Neubau |
| Kleinanzeigen | Privat | Privatangebote ohne Provision | Kaum Struktur, viel Rauschen |
Frankreich
| Portal | Typ | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|
| SeLoger | Makler-Marktführer | Professionelle Abdeckung | Fast nur Makler |
| LeBonCoin | Privat-Marktführer | Beste Quelle für Privatverkäufe | Sehr uneinheitliche Qualität |
| Bien'ici | Aggregator | Karte und Umgebungsdaten | Bestand teils veraltet |
Spanien
| Portal | Typ | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|
| Idealista | Marktführer | Größtes Volumen, Preishistorie | Doppelinserate mehrerer Makler |
| Fotocasa | Nr. 2 | Moderne Oberfläche | Kleinerer Bestand |
| Habitaclia | Regional | Stark in Katalonien | Außerhalb kaum relevant |
Großbritannien
| Portal | Typ | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|
| Rightmove | Marktführer | Größtes Volumen | Keine Privatangebote |
| Zoopla | Nr. 2 | Bewertungs- und Verkaufsdaten | Weniger Exklusivangebote |
| OnTheMarket | Nr. 3 | Teils 24 Stunden früher | Deutlich kleinerer Bestand |
Portugal und Italien
- Idealista: Marktführer in beiden Ländern, gleiche Oberfläche wie in Spanien
- Immobiliare.it: Italiens größtes Portal, starke regionale Abdeckung
- Imovirtual: Portugals Nummer zwei, viele Objekte außerhalb Lissabons
- Casa.it: nützlich als Zweitquelle, oft andere Makler als Immobiliare
Worin sich Portale wirklich unterscheiden
Ein Portalvergleich anhand der Startseite führt in die Irre. Vier Dinge entscheiden, ob Sie ein Objekt sehen oder nicht.
Abdeckung. Makler zahlen pro Portal. Kleine Büros inserieren auf einem, große auf allen. Das teuerste Portal eines Landes hat deshalb selten die vollständigste Liste — es hat die zahlungskräftigsten Anbieter.
Aktualität. Zwischen Einstellung beim Makler und Sichtbarkeit im Portal liegen je nach Anbindung wenige Minuten bis zwei Tage. In angespannten Märkten entscheidet genau dieses Fenster.
Filtertiefe. Fast jedes Portal filtert Preis, Fläche und Zimmerzahl. Kaum eines filtert das, wonach tatsächlich gesucht wird: Erdgeschoss ausschließen, Aufzug ab dem dritten Stock, kein Durchgangszimmer, ruhige Seite, Fernwärme. Diese Kriterien stehen im Fließtext, nicht in den Feldern.
Benachrichtigungen. Jedes Portal schickt eigene E-Mails in eigenem Rhythmus. Drei Portale in zwei Ländern bedeuten schnell dreißig Mails pro Woche, von denen fünf relevant sind.
Das Problem mit dem Mehrfach-Inserat
Dasselbe Objekt erscheint häufig auf drei Portalen, unter drei Referenznummern, mit drei Preisen und drei Fotoserien. Das verzerrt jede Einschätzung: der Markt wirkt größer, als er ist, und dasselbe Objekt wird dreimal bewertet.
So erkennen Sie Dubletten zuverlässig:
- Grundriss und Fotoreihenfolge — Makler übernehmen die Bilder des Eigentümers, die Reihenfolge bleibt oft identisch.
- Fläche auf die Nachkommastelle — 72,4 m² ist selten Zufall, 72 m² schon.
- Preisverlauf — dasselbe Objekt fällt auf allen Portalen am selben Tag im Preis.
- Straße statt Adresse — viele Portale zeigen nur die Straße, das genügt zum Abgleich.
Mehrere Portale gleichzeitig verfolgen
Der übliche Weg ist, auf jedem Portal eine Suche zu speichern und alle Benachrichtigungen zu aktivieren. Das funktioniert genau so lange, bis der Posteingang unlesbar wird — und dann werden alle Mails überflogen statt gelesen, was schlechter ist als drei gute Quellen.
Ein praktikables Vorgehen:
- Zwei Portale pro Land, nicht fünf. Marktführer plus die beste Zweitquelle deckt in der Regel über 90 % des Bestands ab.
- Alarme weit stellen, nicht eng. Enge Filter schließen Objekte aus, deren Angaben schlicht falsch eingetragen sind — Fläche ohne Balkon, Zimmerzahl anders gezählt.
- Alle Alarme in ein Postfach. Ein Ort, eine Reihenfolge, ein Verlauf.
- Nach Inhalt filtern, nicht nach Feldern. Die Kriterien, die zählen, stehen im Beschreibungstext. Genau dafür gibt es FilterWise: Ihre Alarm-Mails laufen weiter wie bisher, werden aber gelesen und nur weitergeleitet, wenn sie wirklich passen.
- Wöchentlich prüfen, was durchgefallen ist. Wer nie nachsieht, merkt nicht, dass ein Kriterium zu eng war.
Fazit
Portale vergleicht man nicht nach Bestandsgröße, sondern nach dem, was sie von einem Markt sichtbar machen und was sie verbergen. Zwei gut gewählte Portale pro Land, weit gestellte Alarme und eine Filterung, die den Fließtext liest, schlagen fünf Portale mit engen Suchmasken — und kosten deutlich weniger Aufmerksamkeit.